
Pilosophie: Das verwechseln von Work-Life Balance und Work-Life Planning
Der Begriff Work-Life-Balance hat eigentlich schon einen Denkfehler eingebaut: Er stellt Arbeit und Leben auf zwei Seiten einer Waage. Als wäre Arbeit das, was man ertragen muss, und Leben das, was danach übrig bleibt.
Sinnvoller finde ich Work-Life-Planning. Das Leben ist die übergeordnete Größe. Arbeit ist ein Teil davon – genauso wie Partnerschaft, Familie, Freunde, Schlaf, Gesundheit, Training, Erholung und schlicht freie Zeit. Die Frage lautet dann nicht: Wie bekomme ich Arbeit und Leben ins Gleichgewicht? Sondern: Wie soll mein Leben aussehen – und welchen Platz darf Arbeit darin einnehmen?
Beim Training ist es exakt dasselbe. Gerade Menschen, die ambitioniert trainieren, machen aus Sport schnell eine zweite Arbeit. Trainingsplan, Progression, Ernährung, Schritte, Schlaf, Regeneration. Plötzlich wird das Leben um das Training herum organisiert. Das kann für einen Profisportler richtig sein. Für die meisten anderen ist die Hierarchie aber verkehrt herum.
Training muss ins Leben passen. Nicht das Leben ins Training.
Das bedeutet nicht, Training nur dann zu machen, wenn zufällig Zeit übrig bleibt. Im Gegenteil: Was einem wichtig ist, bekommt bewusst Platz im Kalender. Aber der Plan muss die Realität des Menschen respektieren. Wer einen anspruchsvollen Beruf, Kinder und soziale Verpflichtungen hat, braucht vielleicht keinen theoretisch optimalen Fünf-Tage-Plan. Er braucht einen verdammt guten Drei-Tage-Plan, den er über Jahre tatsächlich lebt.
Und vielleicht ist genau das die interessantere Definition von Training-Life-Balance: nicht möglichst viel Training unterzubringen, sondern die richtige Dosis Training zu finden, die das übrige Leben besser macht.
Training sollte Leistungsfähigkeit erzeugen, nicht das komplette Leistungsbudget auffressen. Es sollte Gesundheit ermöglichen, nicht zum permanenten Stressor werden. Es sollte einem Freiheit geben – körperlich und mental – und nicht die nächste Verpflichtung sein, wegen der man ein schlechtes Gewissen bekommt.
Dasselbe gilt für Arbeit. Gute Arbeit darf anstrengend sein. Gutes Training darf anstrengend sein. Ein gutes Leben ist auch nicht permanent bequem. Aber Anstrengung braucht einen Zweck.
Vielleicht ist Balance deshalb ohnehin das falsche Ziel. Balance klingt statisch: 50 Prozent hier, 50 Prozent dort. Das echte Leben funktioniert nicht so. Es gibt Wochen, in denen Arbeit dominiert.
Phasen, in denen Familie Vorrang hat. Zeiten, in denen man sportlich etwas erreichen möchte und Training bewusst mehr Raum bekommt.
Und Zeiten, in denen zwei Einheiten pro Woche völlig ausreichend sind.
Die Kunst besteht nicht darin, jeden einzelnen Tag auszubalancieren.
Die Kunst besteht darin, über längere Zeit die richtige Hierarchie nicht zu vergessen: Leben → Arbeit, Training, Beziehungen, Erholung.
Nicht:
Arbeit + Training → und irgendwo dazwischen noch leben.
Das wäre für mich der Kern von Work-Life-Planning und Training-Life-Balance: Nicht alles maximieren. Das Ganze optimieren.


Bekim Buxhovi
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